PROCOM zieht positive Zwischenbilanz: gestärkte Zuverlässigkeit, Innovation und gelebte Teilhabe

PROCOM zieht nach den ersten neun Monaten 2026 eine positive Zwischenbilanz. Die Absagequote liegt deutlich unter dem Vorjahr, und mit 2’166 ausgeführten Dolmetscheinsätzen war der September der zweitstärkste Monat in der Geschichte der Stiftung. Neue digitale Angebote und Partnerschaften stärken die barrierefreie Kommunikation. Auch wirtschaftlich bleibt PROCOM auf Kurs.

Mehr Einsätze und deutlich weniger Absagen

Mit 2’166 ausgeführten Dolmetscheinsätzen erreichte PROCOM im September den zweithöchsten Monatswert ihrer Geschichte – ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber September 2025. In der Deutschschweiz und der Romandie stieg die Zahl der Einsätze auf hohem Niveau weiter.

Besonders erfreulich entwickelte sich das Tessin: Dort nahm die Zahl der Einsätze (ohne Berücksichtigung Einsätze für VideoCom und Sendungen des SRF) von 27 auf 48 zu – ein Wachstum von 78 Prozent. Dies unterstreicht die Bedeutung der regionalen Präsenz und des persönlichen Austauschs mit der Gehörlosen-Community.

Von Januar bis September lag die durchschnittliche Absagequote bei 3,8 Prozent und damit rund halb so hoch wie im Vorjahr. PROCOM arbeitet weiter daran, möglichst viele Anfragen erfolgreich zu vermitteln und Absagen zu reduzieren.

Wirtschaftlich stabil – Jahresprognose unverändert ausgeglichen

Per Ende September erzielte PROCOM einen kumulierten Umsatz von CHF 9,20 Millionen und lag damit 1,7 Prozent unter Budget. Das Betriebsergebnis ist knapp ausgeglichen. Die Jahresprognose bleibt unverändert und geht von einem nahezu ausgeglichenen Abschluss aus.

Die Liquidität ist gesichert. Mit 43,9 Prozent liegt die Auslastung der Dolmetschenden jedoch weiterhin unter dem Sollwert, insbesondere aufgrund der schwächeren Sommermonate. Ihre Verbesserung bleibt deshalb ein Schwerpunkt im letzten Quartal.

Digitale Angebote erleichtern den Zugang

Mit EASY ACCESS, das im Juli 2026 lanciert wurde, können Kundinnen, Kunden und Institutionen kurzfristig Online-Dolmetscheinsätze über das Webcockpit buchen. Die Verfügbarkeit der Dolmetschenden ist direkt ersichtlich, Buchungen sind mit nur 48 Stunden Vorlauf möglich. Die freie Wahl der dolmetschenden Person stärkt somit die Selbstbestimmung der Nutzerinnen und Nutzer.

Auch PROCOM NOW etabliert sich immer weiter am Markt. Die digitale Dienstleistung ermöglicht spontane, barrierefreie Kommunikation per QR-Code und wird bereits von mehreren Schweizer Stadtverwaltungen und Behörden genutzt, wie zum Beispiel von Stadtverwaltungen wie Basel oder Zürich, Polizei Genf und verschiedenen Behörden.

Seit September vereinfacht zudem das Online-Bestellformular 2.0 die Buchung mehrerer Termine. Mit diesen Angeboten macht PROCOM Verdolmetschungen noch einfacher und flexibler zugänglich.

Partnerschaften stärken die Teilhabe

Die Tage der offenen Tür im September in Olten, Lausanne und im Tessin an der Seite von RSI in Comano stiessen auf grosses Interesse. Gehörlose und hörende Gäste nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und lernten die neuen Angebote kennen.

Eine neue Partnerschaft mit Lugano Convention & Exhibition eröffnet zudem Perspektiven für barrierefreiere Veranstaltungen in der italienischen Schweiz.

Auch die Zusammenarbeit mit Pro Juventute zeigt, wie PROCOM gesellschaftliche Teilhabe fördert: Dank ihren Vermittlungsdiensten ist die Beratungsnummer 147 für gehörlose und hörbehinderte junge Menschen in allen drei Sprachregionen zugänglich.

Gemeinsam mit SZBLIND bereitet PROCOM ausserdem Weiterbildungen zur Kommunikation im Bereich Taubblindheit vor, auch mit Blick auf die Deafblind International-Konferenz 2027 in Davos.

Erfolgreiches Fundraising für «Zugang für alle»

Bis Ende September verzeichnete PROCOM knapp CHF 450’000 an eingegangenen und zugesagten Beiträgen und übertraf damit bereits das budgetierte Spendenziel. Rund 80 Prozent der Mittel kommen dem Projekt «Zugang für alle» zugute.

Dennoch bleibt die Finanzierung eine Herausforderung, da insbesondere im medizinischen Bereich der Bedarf an Dolmetschleistungen jährlich um rund 15 Prozent wächst. Da die regulären Finanzierungsstrukturen diesen Bedarf nicht vollständig decken, bleibt PROCOM auf zusätzliche Fördermittel und langfristige Partnerschaften angewiesen und bleibt daher auch im Fundraising weiterhin aktiv.

Gelebte Inklusion als Grundlage des Erfolgs

Hinter den guten Ergebnissen stehen die Mitarbeitenden, die PROCOM täglich mit ihrem Fachwissen und Engagement voranbringen. Gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen arbeiten auf Augenhöhe zusammen und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven ein.

Wie gelebte Inklusion den Arbeitsalltag bei PROCOM bereichert, zeigen die persönlichen Mitarbeitenden Interviews auf der PROCOM-Website, die im Rahmen des Zukunftstages 2026 durchgeführt wurden. Ziel dieses, und wo PROCOM hörbehinderten Jugendlichen berufliche Perspektiven aufzeigen und gelebte Inklusion sichtbar machen möchte.

Ausblick: Gemeinsam weiter Barrieren abbauen

Im letzten Quartal 2026 stehen die zuverlässige Vermittlung von Dolmetscheinsätzen, die Verbesserung der Auslastung und die Weiterentwicklung digitaler Angebote im Mittelpunkt. Gleichzeitig vertieft PROCOM den Austausch mit der Gehörlosen-Community und ihren Partnerorganisationen an Anlässen der Gehörlosen-Community.

Für Geschäftsführer Roman Probst sind die Ergebnisse vor allem Ausdruck einer starken Zusammenarbeit:

«Wenn ich auf die ersten neun Monate zurückblicke, macht mich besonders stolz, was wir gemeinsam erreicht haben. Hinter jedem Dolmetscheinsatz stehen Menschen, die mit fundiertem Fachwissen, hohem Engagement und gegenseitiger Unterstützung Kommunikation ermöglichen. Dass gehörlose, schwerhörige und hörende Mitarbeitende bei PROCOM auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ist unsere besondere Stärke. Dieses Miteinander macht unseren Erfolg möglich – und motiviert uns, gemeinsam weiter Barrieren abzubauen.»

Roman Probst, Geschäftsführer der Stiftung PROCOM