PROCOM NOW etabliert sich im Alltag – spontane barrierefreie Kommunikation gewinnt an Bedeutung

Medienmitteilung

Olten, 7. Mai 2026

Rückblende: Am 7. November 2025 stellte die SRF-Sendung 10vor10 eine besondere Idee aus der Schweiz vor – nämlich PROCOM NOW.

Der Beitrag zeigt, wie Barrieren für gehörlose Menschen zum Alltag gehören. Nur schon der Gang zum Schalter, an dem eigentlich eine kurze, spontane Kommunikation stattfinden sollte, braucht sehr viel Zeit. PROCOM NOW setzt genau dort an und macht spontane barrierefreie Kommunikation möglich.

So funktioniert PROCOM NOW: Einfach den QR-Code scannen und eine Gebärdensprachdolmetscherin oder ein Gebärdensprachdolmetscher wird live zugeschaltet.

Der Fernsehauftritt hat einen Nerv getroffen. Denn er hat gezeigt, dass es ein Problem gibt – die Lösung ist da und sie ist einfacher, als viele denken. Ein QR-Code, der Türen öffnet: Aus Stillstand wird Gespräch. Aus Unsicherheit wird Verständigung.

Sechs Monate später spiegeln wir: Wie weit hat sich PROCOM NOW bereits im Alltag etabliert? Wer nutzt PROCOM NOW heute? Wo funktioniert es bereits – und wo liegt noch Potenzial?

Wir haben mit Roman Probst, dem Geschäftsführer der Stiftung PROCOM darüber gesprochen.

PROCOM NOW wurde sogar im Schweizer Fernsehen gezeigt. Was macht die Innovation aus Ihrer Sicht besonders?

Roman Probst:
Ich glaube, das Besondere ist, dass wir ein ganz konkretes Problem gelöst haben.
Für viele gehörlose Menschen ist Kommunikation im Alltag oft unnötig kompliziert – gerade in spontanen Situationen.

Mit PROCOM NOW haben wir etwas geschaffen, das einfach funktioniert. QR-Code scannen – und innerhalb von Sekunden ist eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher zugeschaltet.
Diese Unmittelbarkeit macht den Unterschied.

Was war der Auslöser, PROCOM NOW überhaupt zu entwickeln?

Roman Probst:
Der Auslöser war eigentlich nichts Abstraktes, sondern ganz alltägliche Situationen. Zum Beispiel: Jemand steht am Schalter – und es funktioniert nicht mit der Verständigung. Aus diesem Grund haben wir schon vor einem Jahr das Inklusiv-Abo lanciert.

Solche Momente passieren ständig. Und wir haben uns gefragt: Warum gibt es dafür keine einfache Lösung? Als eine Mitarbeiterin von mir (Corinne Stutz) mit diesem Lösungsansatz kam, gab es für uns kein Halten mehr und genau daraus ist PROCOM NOW entstanden.

Was war für Sie der entscheidende Gedanke bei der Entwicklung?

Roman Probst:
Als nicht gewinnorientierte Stiftung setzen wir uns dafür ein, Bedürfnisse zu erfüllen und echte Inklusion zu ermöglichen – insbesondere das dringende und wichtige Bedürfnis nach barrierefreier Kommunikation. Gleichzeitig sind wir darauf angewiesen, dass sich diese Dienstleistung selbst trägt und unternehmerisch funktioniert. Mit dem Angebot PROCOM NOW haben wir dafür eine optimale Lösung entwickelt, die konsequent am Alltag ausgerichtet ist: Sie funktioniert schnell, einfach und spontan.
Registrierte Unternehmen zahlen dabei nur für Leistungen, die sie tatsächlich gebraucht haben.

Was verändert PROCOM NOW konkret für die Betroffenen?

Roman Probst:
Vor allem gibt es Sicherheit – die Sicherheit, ein Gespräch wirklich führen zu können und nicht nur passiv dabei zu sein.

Stellen Sie sich einfach mal für eine Minute vor, Sie wären gehörlos. Sie kommen an einen Schalter – und wenn man Sie nicht versteht, sollen Sie aufschreiben, was Sie meinen. Ein Gespräch auf Augenhöhe ist so kaum möglich. Genau hier setzt PROCOM NOW an: Es erleichtert so das Leben und Arbeiten und ermöglicht eine selbstbestimmte Teilhabe am Alltag.

Was heisst das für die Schaltermitarbeitenden?

Roman Probst:
Es sind drei Komponenten – eine sachliche und zwei emotionale. Am Schalter herrschen oft Zeitdruck und Warteschlangen. PROCOM NOW reduziert den Stress, ermöglicht flüssige Gespräche und hilft, sich auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren: die Dienstleistung.

Zudem gibt es Sicherheit, wirklich verstanden zu werden. Ohne PROCOM NOW ist die Kommunikation oft unsicher, Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Gleichzeitig entsteht Stolz – bei den Mitarbeitenden und im Unternehmen – den Service inklusiver gestalten zu können.

Was bedeutet diese Innovation für Sie persönlich als Geschäftsführer?

Roman Probst:
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie wir arbeiten wollen: Wir sehen ein Problem und entwickeln eine Lösung, die im echten Leben funktioniert. Das braucht manchmal Mut, weil wir Dinge anders angehen als früher. Doch genau daraus entstehen oft die besten Ansätze.

Mir ist es ein zentrales Anliegen, ein Team aufzubauen, das Verantwortung aktiv übernimmt und mitträgt. Mit Renato Pesavento, der seit 2000 als Gebärdensprachdolmetscher für unsere Stiftung tätig ist, habe ich eine Persönlichkeit gefunden, die diese Haltung verkörpert und aktiv mitgestaltet.

Fragen an Renato Pesavento, Verantwortlicher PROCOM NOW

Was bedeutet es für Sie, diese Aufgabe als Verantwortlicher PROCOM NOW erhalten zu haben?

Renato Pesavento:
Ich habe mich sehr gefreut, dass mir das Vertrauen geschenkt wurde, denn ich bin von der Dienstleistung überzeugt und halte sie für zeitgemäss. Bereits vor einigen Jahren, als ich als Schwimmer in Tel Aviv war, durfte ich ein ähnliches System kennenlernen und dachte damals: «Wenn wir das in der Schweiz auch hätten …» Und heute haben wir es.

Die Zusammenarbeit im Team macht Spass und gibt mir den Elan und die Energie, immer wieder neue Ideen zu entwickeln und die Dienstleistung weiter voranzubringen.

Woran erkennen Sie, dass PROCOM NOW wirklich Wirkung entfaltet?

Renato Pesavento:
Für mich zeigt sich Wirkung dort, wo Menschen Handlungsspielraum gewinnen. Wenn jemand ein Gespräch nicht nur verfolgt, sondern aktiv mitgestalten kann, haben wir unser Ziel erreicht. Die Rückmeldungen bestätigen genau das: mehr Sicherheit, mehr Selbstbestimmung, mehr Beteiligung. Das ist der eigentliche Massstab.

Wo sehen Sie die Zukunft von PROCOM NOW?

Renato Pesavento
Ich bin überzeugt, dass barrierefreie Kommunikation in Zukunft nicht mehr als Zusatz, sondern als Selbstverständlichkeit verstanden wird. Unser Anspruch ist es, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. PROCOM NOW ist dabei kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt. Wir werden weiter daran arbeiten, Kommunikation noch unmittelbarer, einfacher und zugänglicher zu machen.

Sie sind nah an der Umsetzung von PROCOM NOW. Wo zeigt sich im Alltag, dass das Angebot wirklich funktioniert?

Renato Pesavento:
Das zeigt sich besonders in den Momenten, in denen es schnell gehen muss.
Zum Beispiel, wenn jemand kurzfristig einen Termin hat und vorher nicht weiss, wie die Kommunikation sichergestellt werden soll.

Genau dann kommt PROCOM NOW zum Einsatz: ohne Vorbereitung und ohne lange Organisation.
Wenn wir sehen, dass dadurch plötzlich ein Gespräch möglich wird, sehen wir, dass es genau dort funktioniert, wo es gebraucht wird. So wird Inklusion Wirklichkeit.

Sie erhalten viele Rückmeldungen aus der Praxis. Was bleibt Ihnen besonders?

Renato Pesavento:
Am meisten bleiben die Rückmeldungen in Erinnerung, in denen es um Selbstständigkeit geht.
Wenn jemand sagt: „Ich konnte das Gespräch endlich selbst führen“, hat das eine Bedeutung, die wichtig ist und Freude macht.

Es geht nicht nur darum, etwas zu verstehen, sondern darum, wirklich teilzunehmen und ernst genommen zu werden.
Genau das hören wir immer wieder – und es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Technologie hinter der Einfachheit

Was für Nutzende intuitiv und unmittelbar funktioniert, basiert auf einer präzise entwickelten technischen Infrastruktur. Die Entwickler aus Aarau von Blue Call mit Samuel Widmer und seinem Team geben einen Einblick: „Die grösste Herausforderung bei PROCOM NOW war es, eine Lösung zu bauen, die im Hintergrund komplex ist, sich für die Nutzenden aber extrem einfach anfühlt.

Gleichzeitig mussten wir sicherstellen, dass die Lösung auf unterschiedlichsten Geräten funktioniert – ohne Installation, ohne Vorbereitung und mit möglichst niedriger Einstiegshürde.

Besonders anspruchsvoll war die Balance zwischen Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Qualität der Verbindung. Genau daran arbeiten wir laufend weiter.“

Mehr Selbstständigkeit – aus Sicht der Betroffenen

Wie sich diese Entwicklung konkret anfühlt, zeigt die Perspektive der Betroffenen. Cyril Haudenschild, der im Fernsehbeitrag zu sehen war, sagt: „Ich finde die Innovation von PROCOM super. Endlich gibt es eine Dienstleistung, die barrierefreie Kommunikation vor Ort spontan möglich macht.“

Auch die Rückmeldungen aus der Praxis gehen in dieselbe Richtung: Sie berichten von mehr Sicherheit, mehr Selbstständigkeit und der Möglichkeit, Gespräche eigenständig zu führen.

Im Einsatz vor Ort: Gemeinden gehen voran

Dass PROCOM NOW im Alltag funktioniert, zeigt sich auch in der Praxis – etwa in der Gemeinde Uznach, wo die Dienstleistung bereits im Einsatz ist.

Diego Forrer, Gemeindepräsident, erklärt: „Wir sind durch die Information des Schweizerischen Gemeindeverbandes auf PROCOM NOW aufmerksam geworden und haben die Lösung schnell und unkompliziert bei uns eingeführt. Sie bringt einen grossen Mehrwert – für gehörlose Personen ebenso wie für uns als Verwaltung, da Gespräche so für beide Seiten gut stattfinden können.“

Über PROCOM

PROCOM setzt sich für die barrierefreie Kommunikation gehörloser und hörbeeinträchtigter Menschen in der Schweiz ein. Mit innovativen Dienstleistungen wie PROCOM NOW schafft die Organisation konkrete Lösungen für mehr Inklusion im Alltag.

Kontakt für Medienanfragen

Roman Probst, Geschäftsführer Stiftung PROCOM
055 511 01 07
rprobst@procom.ch

PROCOM ist eine nationale, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Olten. Sie ermöglicht barrierefreie Kommunikation zwischen gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Menschen und setzt sich ein für eine inklusive Schweiz.

Mit rund 170 Mitarbeitenden bietet die Organisation Kommunikations- und Vermittlungsdienstleistungen an, die über ein schweizweites Netzwerk von über hundert Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern in allen Landesteilen erbracht werden.

Die Stiftung PROCOM bietet Verdolmetschung von Gebärdensprache in Lautsprache und umgekehrt – vor Ort, telefonisch, online oder im Fernsehen. Zu den Dienstleistungen gehört zudem die 24-Stunden Text-Vermittlung, auch für Notfälle.